«Ich hatte die Wahl: einen anderen Lieferanten finden oder den Laden einfach selbst weiterführen.»

Anneli Cattelan heisst die neue Geschäftsführerin der Modesa Basel GmbH, die frischen Wind in die Gerbergasse bringt. Vor über zehn Jahren hat die quirlige Powerfrau aus Münchenstein das Atelier Amiamo in Basel gegründet. Zusammen mit einer Mitarbeiterin kreiert sie Kleidungsstücke für körperlich behinderte Menschen. Ihr älterer Sohn lebt seit seiner Kindheit mit einer unheilbaren Muskelerkrankung im Rollstuhl. Je älter er wurde, desto schwieriger war es für die Mutter, optimale Kleider für ihn zu finden. «Nichts passte. Ich musste für ihn extra Kleider herstellen lassen.» Allerdings waren die Schneider nicht nur hochpreisig, die Kleider, die sie für den jungen Mann im Rollstuhl schneiderten, passten meist trotzdem nicht. «Es ist nicht einfach, für körperlich behinderte Menschen Kleidung herzustellen», sagt die gebürtige Münchnerin. Zum einen müsse man darauf achten, dass die Kleidung ihre Funktion erfüllt, zum anderen soll sie gut aussehen.  

Da die gewöhnliche Ware für Fussgänger konzipiert wird, erfüllt sie weder das eine noch das andere Kriterium: Die Hose darf zum Beispiel im Bereich des Gesässes keine Nähte oder Falten aufweisen – diese könnten Druckstellen verursachen. Davon würden die Rollstuhlfahrer nichts mitbekommen, weil sie infolge der Behinderung oftmals in den Beinen kein Gespür haben. Auch, dass die Hosen nach hinten rutschen, wenn man sitzt, wirkt sich bei den Rollstuhlfahrern unangenehm aus.  

 

Neuer Lieferant oder eigener Laden?

Für die Herstellung dieser Kleidung benötigt Anneli Cattelan Stoff. Stoff, den sie jahrelang bei der Modesa AG in der Basler Innenstadt bezogen hat. Die Hiobsbotschaft der baldigen Schliessung des alteingesessenen Stoffladens lässt die Macherin aber nicht den Kopf in den Sand stecken: «Ich hatte die Wahl: einen anderen Lieferanten finden oder den Laden einfach selbst weiterführen.» Seit dem 8. Juli 2019 leitet sie die neue Modesa Basel GmbH – in den gleichen Räumlichkeiten mit bekannten Gesichtern. Nur Auffrischung hat der neugestaltete Stoffladen erfahren. Ein Treffpunkt für Nähbegeisterte aus der Region soll nun entstehen: «Mir schwebt vor, auch kleine Designer, Hutmacher oder Schnitttechniker für Workshops, Ausstellungen oder Events einzuladen».

Zurzeit harzt es aber noch ein wenig. Die Schlagzeilen der Schliessung Anfang Jahr hängen folgenschwer über dem Laden. Viele Kundinnen und Kunden fragen nach, ab wann der Laden definitiv geschlossen würde: «Es wäre schön, wenn die Medien nicht nur vom Lädelisterben berichteten. Immerhin gehört auch eine Portion Mut dazu, ein Ladenlokal von heute auf morgen zu übernehmen und Arbeitsplätze zu sichern.»